6 Gründe warum ich faul bin - Setisfaction

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Hunde machen auch mal gerne faul. (c) Günter Hentschel

Faul sein ist in der deutschen Gesellschaft verpönt. Denn hier herrscht die protestantische Arbeitsmoral und jemand der faul ist, wird nicht gerne gesehen. Deutsche Tugenden bestimmen die Arbeitswelt, denn wie heißt es so schön: „ohne Fleiß kein Preis“.

Es geht sogar so weit, dass es besser ist so zu tun als würde man die ganze Zeit, ohne Pause, durcharbeiten – auch wenn man sich zwischendurch einfach eine wohlverdiente Pause gönnt um neue Energie zu tanken – sagt man lieber zu seinen Kollegen: „Ich habe so viel zutun, keine Zeit für eine Pause“. Obwohl eine Pause nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch die Produktivität der Arbeit nachweislich verbessert. So ist man ausgeruht, hat schön gegessen und nach dem Kaffee kann es dann effizient mit der Arbeit weitergehen.

Es ist kein Wunder, dass die meisten Deutschen, die auch mal faul sind, dies meist versteckt sind. Hast Du schon mal einen Mitarbeiter ein Nickerchen am Arbeitsplatz machen sehen? In vielen Ländern, z. B. in Japan, ist das Gang und Gäbe. Da ist es selbstverständlich, dass mal eben ein „Power-Nap“ gehalten wird. So kann im Anschluss, mit voller Kraft, wieder gearbeitet werden. Dafür braucht man kein Bett, sondern man macht ein kurzes Nickerchen auf dem Stuhl.

In Deutschland würde man sowas schnell als Faulheit betiteln. Und so dauert es nicht lange bis die Kollegen über einen sagen: „Guck mal der da, er schläft schon wieder. So ein faules Schwein“. Und bei den Chefs kommt es auch nicht gut an, wenn man ein Power-Nickerchen hält – schließlich wird man ja für die Arbeit bezahlt.

Dass so etwas nur von der eigenen Faulheit ablenken soll, interessiert keinen. Und so ist es nicht unüblich, dass die meisten Kollegen schnell zustimmen, um selbst nicht als Faulenzer erkannt zu werden. Insgeheim würde man lieber aber auch faulmachen.

Wir bei faulmachen.de sind stolz darauf faul zu sein. Dabei heißt Faulmachen aber nicht den ganzen Tag nur untätig herumzusitzen und nichts zu tun. Faulmachen heißt im richtigen Moment mal zu entspannen und mal nichts zu tun. Auch mal eine Aufgabe vernachlässigen oder ganz wegfallen lassen, wenn diese nicht außerordentlich wichtig ist.

Faulmacher wie wir, arbeiten auch. Und zwar hart! Aber eben nur dann wenn es zwingend nötig ist. Wenn dies nicht der Fall ist, werden einfachere Lösungen gefunden oder eben faulgemacht. Oder wir schreiben mal in der freien Zeit solch einen Artikel hier, auch eine Art Entspannung. So versuchen wir, wie der Strom zu sein: wir suchen immer den Weg mit dem geringsten Widerstand. So kommen effiziente Lösungen heraus, man spart mehr Zeit und im Endeffekt schafft man vielmehr an Arbeit. Und das Beste: man bleibt motiviert und ist nicht gestresst, da man zwischendurch immer mal wieder faulmacht. Anstatt, wie viele Deutsche blauzumachen und sich beim Arzt krankzuschreiben (Blaumacherstatistik steigt in Deutschland), machen wir lieber faul. Nicht umsonst heißt unser Motto: Besser als Blaumachen. Faulmachen. Mit diesem Motto würde die Blaumacherstatistik heruntergehen, es gäbe weniger Burn-Outs, weniger Haarausfall, weniger Kopfschmerzen und dafür mehr Lebensqualität und Spaß bei der Arbeit, klingt doch besser, oder?

Ich bin also faul und mache gerne faul. Das sind meine 6 Gründe dafür:

1. Warum mehr tun als notwendig?

Vor lauter Arbeitsmoral sehe ich nicht selten einen Kollegen viel mehr tun als notwendig.

Ich befolge viel lieber das 80/20 Prinzip. Dieses Prinzip besagt, dass 20% der Gesamtzeit für die Arbeit zu 80% des gewünschten Ergebnisses führen. Es sind also weitere 80% Arbeitszeit notwendig, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Steht nicht wirklich mehr in Relation!

Das bedeutet konkret Du brauchst 2 Stunden um einen Bericht gut zu machen (80% gut) und weitere 8 Stunden, um ihn perfekt zu machen. Lohnt es sich also wirklich diese weiteren 8 Stunden zu investieren?

Wieso sollte ich eine perfekte Präsentation für meinen Arbeitgeber machen, wenn ich mit deutlich weniger Arbeitsaufwand eine sehr gute Präsentation machen kann? Die Präsentation nutze ich nur einmal und dann landet sie in der Regel im Papierkorb. Lieber nehme ich die verbleibende Zeit, um gute Arbeit zu leisten oder um faulzumachen als damit eine Präsentation mit super coolem Design zu machen.

2. Ich arbeite lieber smart als hart

Der Computer wurde erfunden, weil die Leute zu faul waren selbst alles zu rechnen. Das nenne ich smartes Arbeiten. Diese Faulenzer haben Milliarden von Menschen das Leben einfacher gemacht. Wer will schon lange und komplexe Mathematik-Berechnungen durchführen, lass es doch lieber den Rechner machen, er ist sowieso schneller. Wieso also nicht meinen eigenen Beitrag dazu leisten?

Es ist auch kein Geheimnis, dass Technologie-Firmen wie Microsoft lieber faule Menschen einstellen als Menschen, die zwar hart aber eben nicht smart arbeiten. Faulmacher finden immer eine kreative und gute Lösung und genau das ist was solche Firmen eben benötigen.

Das heißt anstelle, dass ich eine Aufgabe sofort angehe, überlege ich lieber erstmal 10 Minuten, um zu sehen, ob es nicht vielleicht eine viel simplere Lösung für die Aufgabe gibt. Oder ich schiebe die Aufgabe erstmal vor mich hin, bis ich gar keine andere Wahl habe als eine simple Lösung zu finden: Zeitdruck macht kreativ. Das Hinterfragen mancher Arbeit lässt nicht selten eine viel einfachere Lösung zu. Einfach mal ausprobieren. Wenn Du das so nicht willst, dann hol dir zum Beispiel ein Fächerssystem mit 3 Fächern. Dort legst Du Unterlagen geordnet nach den Kategorien „sofort“, „nächste Woche“ und „nächsten Monat“ ab. So konzentrierst Du dich auf das Wesentliche. Es gibt bereits auch Apps für das perfekte Zeitmanagement, einfach mal googlen.

Du musst ein neues Code-Stück in Dein Programm einbauen? Ist doch viel sinnvoller erstmal online zu gucken, ob es schon so einen ähnlichen Code gibt und diesen anzupassen als ganz von vorne anzufangen.

Du musst eine Pressemitteilung schreiben? Wieso nicht den größten Teil aus vorherigen Mitteilungen für Dich passend übernehmen, anstatt eine komplett neue zu erstellen?

Du führst mehrfach dieselbe Aufgabe durch? Schreib Dir doch selbst ein Best-Practice Dokument (eine Art Checkliste). Dort notierst Du alle Schritte die notwendig sind. Dann musst Du nicht jedes Mal wieder überlegen, was für Unteraufgaben notwendig sind.

Wenn Du also smart arbeitest sparst Du viel Zeit. Diese Zeit kannst Du dann fürs Faulmachen nutzen.

3. Wer nicht mal faulmacht, kann auch nicht produktiv sein

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Einfach mal faulmachen und danach wieder voller Power sein. (c) Melanie Storl

Kennst du diese Kollegen, die scheinbar den ganzen Tag, von morgens bis abends, im Büro sitzen und arbeiten? Sogar in der Mittagspause verschlingen sie nur eben was zwischendurch, anstelle eine richtige Pause zu machen.

Das Problem bei diesen fleißigen Kollegen und Arbeitstieren ist, dass die Produktivität über den Tag verteilt immer weiter nachlässt. Das Gehirn kann unter Dauerstress nicht gut funktionieren. So ist es keine Seltenheit, dass jemand der vielleicht nur die Hälfte des Tages arbeitet, aber gezielt faulmacht und sich erholt (vielleicht auch mal ein Nickerchen zwischendurch macht), dieselbe Arbeit schafft.

Unser Körper kann nicht pausenlos arbeiten, sondern braucht auch immer mal wieder eine Pause. Und wenn der Kollege sich die Pause nicht selbst nimmt, dann macht es der Körper und Geist eben automatisch. Das kann mal eben der Ausflug auf Facebook oder 9GAG (ein Produktivitätskiller ohne Vergleich, schau ihn Dir gar nicht erst an) sein, der zu lange dauert. Oder die sinnlose Beantwortung von Emails. Oder das Ausführen von Aufgaben, die eigentlich kaum etwas zum Arbeitsziel beitragen und unwichtig sind.

Daher sei nicht immer das Arbeitstier, sei viel öfter mal Faultier.

4. Ich brauche auch mal eine richtige Pause

Die nächste Stufe wäre nicht nur den ganzen Tag durchzuarbeiten, sondern wochen- oder sogar monatelang.

Wer jeden Tag ohne Pause arbeitet, ohne auch mal sich ein Wochenende freizunehmen oder mal einen Urlaub zu machen, wird früher oder später an Burn-Out erkranken. Nicht umsonst steigen in Deutschland die Zahlen immer weiter an, mal abgesehen von der Dunkelziffer.

Und mit Urlaub meine ich nicht das Telefon mitzunehmen und die ganze Zeit auf Emails und Telefonate zu antworten, sondern komplett die Arbeit abzuschalten. Das heißt die Kollegen zu unterrichten, dass man nicht da ist und die notwendigen Aufgaben auf eine Vertretung auslagern. Eine automatische Email einrichten, die informiert, dass man bis dann und dann nicht im Hause ist.

Das Problem mit einer solchen übermäßigen Arbeitsmoral ist, man schafft vielleicht mehr als die anderen Kollegen, die das Wochenende am See und den Urlaub am Meer oder beim Skifahren verbringen. Ein Burn-Out kann jedoch all diesen Vorsprung zunichtemachen. Wenn du einmal an Burnout erkrankt bist, dauert es Monate, wenn nicht sogar länger, damit Du Deine alte Form wieder erreichst. Diese verlorene Zeit ist unmöglich wieder aufzuholen.

Deshalb lieber immer wieder regelmäßig Faulmachen als vom Körper eine Zwangspause verordnet zu bekommen.

5. Manchmal muss ich einfach bequem sein

Oft geht es mir so, dass ich jede auch nur kleine Zusatzanstrengung vermeide. Wieso ich so bin kann ich nicht sagen. Ich glaube es liegt in der menschlichen Natur. Aber besonders schaden tut es auch nicht. Diese Situationen beschreiben es perfekt:

  • Ich bin am Schreiben und mein Kuli fällt mir hin. Anstelle, dass ich ihn aufhebe, mache ich mir gar nicht erst die Mühe und nehme mir einen neuen (am besten gleich ein großes Kugelschreiber-Set kaufen).
  • Die Wasserflasche nehmen und einen Schluck trinken? Viel zu anstrengend. Lieber so selten wie möglich, dann aber gleich einen Riesenschluck.
  • Ich sitz vorm Fernseher und möchte den Kanal wechseln, aber die Fernbedienung ist zu weit. Lieber Frauentausch gucken als aufzustehen und die Fernbedienung holen.
  • Das Telefon klingelt aber das Telefon ist nicht in Griffnähe? Da muss der Anrufer wohl auf einen Rückruf warten.

6. Die Gesellschaft hat mich dazu erzogen

Als letzten Punkt habe ich meine Lebensumstände gewählt und somit etwas, was nicht direkt mit mir zu tun hat.

Vor allem in der westlichen Welt leben wir heutzutage in einer Gesellschaft in der man fauler und fauler wird. Die industrielle Revolution war der erste große Schritt in diese Richtung, denn auf einmal gab es Maschinen die die Arbeit für uns machten. Das Internet war nochmal ein riesen Schritt in diese Richtung. Durch das Internet ist alles einfacher geworden. Ich muss fast nichts mehr selbst machen, sondern kann alles machen lassen. Ich habe keine Lust Shoppen zu gehen? Dann kaufe ich auf Amazon (z. B. ein Reiseset) oder Zalando. Ich habe keine Lust Lebensmittel zu besorgen? Dann nutze ich den Rewe Lieferservice.

Du siehst diesen Trend nicht? Hier sind einige neue Services, die den großen Schritt in eine noch faulere Gesellschaft ganz klar einläuten:

  • Deeliva: Ein Startup das dahin liefert, wo du dich gerade aufhältst. Du grillst gerade mit Freunden im Park, hast nicht genug Fleisch und ein paar Bier fehlen auch noch? Lass dir mit Deeliva doch einfach alles was du brauchst per App, dahin liefern, wo du gerade bist.
  • Operator: Du hast keine Lust im Laden anzurufen, weil dir etwas fehlt? Du hast eine Service-Frage, würdest diese aber lieber per Chat stellen? Operator bedienst du ebenfalls per App. Der Händler bearbeitet alle Deine Anfragen per Chat.
  • Speech-to-Text: Du hast keine Lust eine Mail oder eine SMS zu schreiben? Alle modernen Smartphones haben eine Stimmerkennungssoftware, die das für Dich schreibt.
  • Lieferando und Lieferheld: Noch nie gab es eine so große Anzahl an Lieferservices. Du bist zu faul zum Einkaufen? Das machen mittlerweile die Lieferservices von großen Lebensmittelketten für Dich (z. B. Rewe Lieferservice). Du bist aber sogar zu faul zum Kochen? Da bist Du bei den Lieferservices ganz richtig. Erinnerst Du Dich an die Zeiten, wo Du nur Pizza liefern lassen konntest? Die sind vorbei. Heutzutage geht alles, von Sushi bis Salat.

Hier noch ein paar weitere Apps für Faule.

Fazit: Faulmachen ist gut und dafür sollte man sich nicht schämen: Besser als Blaumachen. Faulmachen.

Das sind die Gründe warum ich faul bin und oft faulmache. Es macht mich produktiver und macht mein Leben lebenswerter.

Bist Du auch faul? Machst Du gerne mal faul?


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